Im Gespraech mit Architrave

Im Gespräch mit Architrave-CEO Maurice Grassau

Nikolai Roth Allgemein, Interviews Leave a Comment

Für erfolgreiches Asset Management ist in der heutigen Zeit ein modernes Dokumentenmanagement unabddingbar. Mit Architrave-CEO Maurice Grassau spreche ich darüber, wie das PropTech zur Lösung der wesentlichen Herausforderungen in diesem Bereich beiträgt und wie Architrave auch in Zukunft die Branche bereichern will.

Architrave & das digitale Dokumentenmanagement

Architrave hat es sich zum Ziel gesetzt durch die Digitalisierung von Dokumenten sowie dem Management von großen Datenmengen das gesamte Immobilienmanagement zu revolutionieren – Was hat dich zu dieser Idee inspiriert?

Architrave

Mein persönliches Schlüsselerlebnis war die Transaktion des Pegasus-Portfolios im Jahr 2007. Ich habe den Verkauf seinerzeit organisatorisch begleitet. Bei einem Volumen von 2,5 Milliarden Euro hat die Vorbereitung des Deals ein gutes halbes Jahr in Anspruch genommen. Der Abschluss kam gerade noch rechtzeitig. Zwei Wochen später und das Geschäft wäre wegen der Pleite der US-Bank Lehman Brothers wohl geplatzt. Dieser äußerst knappe Ausgang hat mich darin bestärkt, die Abläufe und Mechanismen hinter Immobilientransaktionen grundsätzlich zu hinterfragen. Weg von Papierakten, hin zu digitalen Datenräumen, die die notwendigen Dokumente und Daten zentral und aufgeräumt vorhalten. Wenn die Dokumentation darüber hinaus schon in der Bestandsphase gepflegt wird, ist man auf Knopfdruck jederzeit und sofort „battle-ready“.

Der KI-Service DELPHI

Mit dem KI-Service DELPHI habt ihr im vergangenen Jahr euer Produktportfolio erweitert – Welche Erfahrungen habt ihr bisher bei der Implementierung eures neuen Produktes machen können?

DELPHI ist ein durchaus mächtiges Tool. Doch es braucht die richtigen Rahmenbedingungen. Die Pilotphase von DELPHI haben wir genutzt, um das Feedback unserer Kunden zu sammeln und umzusetzen. KI im Dienste von Robotic Process Automation (RPA) ist nämlich über weite Strecken nur sinnvoll, wenn sich die Branche zusammentut, um gemeinsame Standards zu Dokumentenklassen und Datenfeldern zu definieren. Der gif e.V. leistet hier hervorragende Arbeit, die wir aktiv unterstützen und deren Ergebnisse wir bei Veranstaltungen, bei Partnern und Kunden bewerben. Insgesamt sind die Reaktionen zu unserem Service durchweg positiv und bestätigen unser Produktkonzept. Wer in einer dokumentenlastigen Branche wie unserer einmal in den Genuss gekommen ist, keine Dokumente mehr per Hand benennen und wegsortieren zu müssen, möchte diesen Service nicht mehr missen. Zudem hat sich unser Konzept einer offenen Softwarearchitektur bewährt. Dank intelligenter Schnittstellen kann DELPHI nicht nur vor den Architrave Life-Cycle Data Room geschaltet werden, sondern auch vor Dokumentenmanagementsysteme anderer Anbieter. Wir haben auch gelernt, dass die Implementierung manchmal doch etwas länger dauern kann. Je nach Unternehmensgröße und IT-Landschaft benötigen Kunden Zeit, um so eine Integration intern vorzubereiten und zu stemmen. Genauso wichtig wie gute Produkte sind deshalb solides Projektmanagement und präzise Kommunikation.

Aktiver Austausch mit der Zielgruppe

In diesem Jahr habt ihr auf der ersten Architrave User Conference die Gelegenheit  geschaffen, euch mit euren Kunden über deren Bedarf an digitalen Lösungen in der Unternehmenspraxis auszutauschen – Welche zentralen Erkenntnisse konntet ihr im Rahmen diese Veranstaltung gewinnen?

Mit Architrave lassen sich Assets schnell & unkompliziert managen

Mit Architrave lassen sich Assets schnell & unkompliziert managen

Zunächst: Es gibt kein besseres Feedback als das von unseren Nutzern. Deshalb haben wir schon vor geraumer Zeit einen Kundenbeirat ins Leben gerufen, der mittlerweile schon sieben Mal zusammengekommen ist. Mit unserer User Conference wollten wir den Kreis noch erweitern und eine Bühne schaffen, auf der sich unsere Kunden auch in größerer Zahl untereinander und mit unseren Entwicklern, Designern und Support-Teams intensiv austauschen können. Zentrale Themen sind natürlich Benutzerführung, neue und geplante Funktionalitäten, mobiles Arbeiten und die möglichst schlanke Administration auch von großen Nutzergruppen. Daneben sind es die Fragen zur Prozessautomatisierung, die unsere Nutzer stark bewegen. Noch immer verbringen Immobilienexperten rund ein Drittel ihrer Zeit mit Informationssuche und wiederkehrenden Routinetätigkeiten.

Einheitliche Datenstandards

Auf dem zweiten Real Estate Data Summit hast du im letzten Jahr außerdem gemeinsam mit anderen Unternehmen an einem Lösungsansatz für einen einheitlichen Datenstandard gearbeitet. Welche ersten Ergebnisse habt ihr dabei in Hinblick auf ein standardisiertes Management von Dokumenten und Daten bereits erzielen können?

Der Life-Cycle Data Room von Architrave

Der Life-Cycle Data Room von Architrave

Auf unserem Real Estate Data Summit sind über 30 Teilnehmer aus 22 führenden Unternehmen der deutschen und europäischen Immobilienwirtschaft zu Gast gewesen. Die Teilnehmer sehen insbesondere die mangelnde Austauschbarkeit von Daten zwischen verschiedenen Systemumgebungen als Defizit an. Klar ist: Ohne branchenweite Standards ist weitreichende Digitalisierung nicht möglich. Demnächst wird die gif-Richtlinie 2.0 veröffentlicht, an der wir intensiv mitgearbeitet haben. Die dort definierten Dokumentenklassen verwenden wir schon heute in unserem automatisierten Dokumentenmanagement. Dank der Definition und Vereinheitlichung von wichtigen Datenfeldern fällt darüber hinaus auch an der ein oder anderen Stelle der Datenaustausch leichter. So können Daten aus Dokumenten oder Vorsystemen einfacher genutzt werden, um die Daten beispielsweise in ERP-Systemen zu validieren. Die Systeme beginnen miteinander zu sprechen. Das ist ein vielversprechender Anfang.

Das Immobilienmanagement der Zukunft

Wagen wir einmal einen Blick in die Zukunft – Wie wird sich das Immobilienmanagement in den nächsten 10 Jahren verändern? Welche Rolle wird Architrave dabei einnehmen?

Architrave-CEO Maurice Grassau

Architrave-CEO Maurice Grassau

Meine Prognose lautet:

  • Intelligente Systeme werden den Beteiligten einen Großteil der Routinetätigkeiten abnehmen. Endlich wird den Nutzern die lästige Fleißarbeit abgenommen und sie können sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren. Immobilienmanagement wird dadurch sehr viel produktiver.
  • Papier wird als „Träger der Wahrheit“ weiter an Bedeutung verlieren. Und niemand wird es vermissen.
  • Die Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen Asset Manager und Mietern wird direkter erfolgen; der Grad an Intermediären, also zwischengeschalteten Dienstleistern, wird abnehmen.
  • Prozesse werden nicht digitalisiert, sondern digital neu erfunden.
  • Künstliche Intelligenz zum Zweck der Datenextraktion wird an Wichtigkeit verlieren, da Daten direkt aus Applikationen oder Sensoren eingespeist werden.
  • Real Estate bleibt ein People’s-Business. Persönlichkeit, Persönlichkeiten und eigene Netzwerke sind weiter gefragt. Der Grad an datenbasierten Entscheidungen wird jedoch deutlich zunehmen.

Und bei allem wird Architrave kräftig mitmischen.

Vielen Dank für das spannende Interview, Maurice.

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